Viermal mit dem Rad rund um Marburg

Text, Fotos, Karten: Dr. Lutz Münzer

35037 Marburg

Haspelstraße 27

Tel.: 06421/162251

e-mail: karten-muenzer@t-online

Die folgenden Tourenvorschläge sind enthalten in dem Faltblatt

»Radausflüge um Marburg«.

Es kann kostenlos u. a. beim Campingplatz »Lahnaue«, bei der Touristinformation der Stadt Marburg sowie bei der TOuR-GmbH des Landkreises Marburg-Biedenkopf bezogen werden.

 

1. Hauptbahnhof - nördliche Lahnberge - Bürgeln - Cölbe - Hauptbahnhof

Strecke: 16 km


Eine längere Steigung von 750 m gilt es kurz nach Beginn zu bewältigen, dann rollen wir auf welligem Waldweg 4 km bis zu einer Abfahrt, um uns den Rest nur noch in der Ebene zu bewegen. Vom Hauptbahnhof starten wir in die »Neue Kasseler Straße«. Entlang der Gleise - nach wenigen hundert Metern steht ein Radweg auf dem Bürgersteig zur Verfügung - rollen wir nordwärts und queren auf einer Brücke die Schienen. Unmittelbar danach zweigt an einer Ampel rechts eine Straße ins Waldtal und zum Studentendorf ab. Parallel zu der bisher benutzten Straße führt ein asphaltierter Weg in den Wald hinein. Er steigt stark an. Ihn schlagen wir ein. 750 m weiter, nach einer Rechtskurve, biegt links ein geschotterter Weg ab. Das ist unsere weitere Route. Der Weg führt uns 4 km entlang des Nordabfalls der Lahnberge. Nach einer Rechtsbiegung breitet sich das Lahntal mit dem südexponiert gelegenen Dorf Cölbe vor uns aus. Am Rand von Cölbe verläuft in Bögen seit 1850 die Main-Weser-Bahn, Verbindung zwischen Kassel und Frankfurt. Tief unter uns rollt der Straßenverkehr auf der autobahnartig ausgebauten Bundesstraße 3. Von einem senkrecht oberhalb der Bundesstraße gelegenen Wegstück schweift der Blick in das Lahntal, das nordwärts abknickt. Unter uns mündet die Ohm, die übrigens mehr Wasser als die Lahn führt, in diese. Die hier stehende Cölber Mühle diente dem Maler Otto Ubbelohde (1867 - 1922) als Vorbild für die Illustration des Märchens vom »Teufel mit den drei goldenen Haaren«. Die steilen Talwände einerseits, die flache Talsohle andererseits zeugen von zwei unterschiedlichen erdgeschichtlichen Ereignissen. Erst als vor ca. 2 Mio. Jahren durch Schollenabsenkung die Entstehung des Amöneburger Beckens begann, erhielt die Lahn ihren heutigen Verlauf. Zuvor floss sie bei Cölbe südostwärts weiter. Im Zuge der Laufänderung gliederte die Lahn das zuvor durchgehende Sandsteinplateau im Marburger Raum in die Lahnberge und den Marburger Rücken. Die flachen Talauen entstanden durch Aufschüttung von Kiesen und Schottern, die Ohm und Lahn aus ihren Einzugsgebieten während der Eiszeiten mitgebracht hatten. Zwar fehlte in unserem Gebiet eine Vereisung, aber die Abkühlung (Tundrenklima) zerstörte die zuvor vorhandene Vegetation, so dass es zu umfangreicher Verwitterung (Ausbildung sog. Frostschuttdecken) und kräftiger Abtragung kam. Nach steiler Abfahrt gelangen wir am Waldrand auf eine Landstraße. Wir kreuzen sie, fahren an einem Sportplatz vorbei und queren auf einer Brücke eine Schnellstraße (B 62). Ein Abstecher zum Heimatmuseum Bürgeln (Baumgartenstraße 18; über die Öffnungszeiten informiert die Gemeinde Cölbe, Tel.: 06421/98500) bietet sich an. Auf jeden Fall gelangen wir über eine Fußgängerrampe von der Brücke auf einen asphaltierten Weg zwischen Schnellstraße und Eisenbahn, den Radfernweg »R2«. Wir folgen der Ausschilderung Richtung Marburg. Nach 3 km auf ebener Strecke stoßen wir am Ortseingang von Cölbe, vor einem Bahnübergang, auf den »Lahntalradweg«. Auf ihm bleiben wir bis zum Ende unserer Tour, sofern wir nicht einen erneuten Abstecher unternehmen, zum »Eiermuseum«: Nach der Bahnschranke, bei einer Polizeistation, biegen wir halbrechts in die Straße »Am Bornrain« ein. Sie stößt nach 400 m auf die »Friedhofstraße«. Links neben der Einbiegung, auf der linken Straßenseite, befindet sich in der Gemeindehalle das Ziel, eine Sammlung von über 700 verzierten Eiern (auch hier: Die Öffnungszeiten bei der Gemeinde Cölbe, Tel.: 06421/98500, erfragen). Durch »Friedhofstraße« und »Lutherstraße« bergab fahrend, gelangen wir in die »Alte Dorfstraße«, biegen rechts in sie ein und kommen wieder auf den »Lahntalradweg«. Unterlassen wir den Besuch des Eiermuseums, so radeln wir vorbei am Bahnhof Cölbe. Sein heutiges Empfangsgebäude, in schlichter Neorenaissance gehalten, entstand im ersten Jahrzehnt des zwanzigsten Jahrhunderts. im Rahmen eines Bahnhofsausbaus. Schon seit 1883 zweigt hier die Nebenbahn von Marburg ins Oberlahngebiet ab, auch die Züge von Frankenberg fahren durch Cölbe bis Marburg. Seit dem späten 19. Jahrhundert entwickelte sich Cölbe daher zu einem Wohnvorort von Marburg.

 

2. Südbahnhof - Ronhausen - Frauenberg - Cappel - Südbahnhof

Strecke: 19 km

Bis Ronhausen eben, es folgt eine allmähliche Steigung von 3 km, später wechselnde Steigung von 3 km, dazwischen auch kurze Abfahrten. Vom Frauenberg 2,5 km Abfahrt, anschließend eben. Wir starten westlich des Südbahnhofes in der Lahnaue direkt auf dem »Lahntalradweg« und folgen ihm stadtauswärts. 100m nach der Unterführung unter der »Südspange« trägt links eine gemauerte Konsole ein Modell des Planeten Saturn. Wir befinden uns nämlich auf dem »Planetenlehrpfad«. Im Maßstab 1 : Mrd. (= 1 cm entspricht 10.000 Kilometern) sind die Planeten des Sonnensystems und ihr Abstand voneinander dargestellt. Das Modell vor uns weist einen Durchmesser von 12,7 cm auf. Wir bleiben auf dem Planetenlehrpfad fast bis zu seinem Beginn, der Sonne. Sie steht ca. 1,5 km weiter als gelbe Kugel von 1,39 m Durchmesser nahe dem Lahndeich. Wenige Meter zuvor biegen wir an einer Kreuzung links ab – sofern wir nicht noch einen Abstecher nach rechts unternehmen. 200 m rechts wurde die Lahnaue in den letzten Jahren wieder in den Zustand gebracht, in dem sie sich jahrhundertelang darbot, bevor im frühen zwanzigsten Jahrhundert zur Abflussbeschleunigung und Wiesenentwässerung Laufbegradigungen erfolgten. In Flutmulden und -rinnen entstehen Lebensräume für Amphibien, Wasserinsekten und Wasservögel. Wir setzen unseren Weg unter Eisenbahn und Schnellstraße hinweg fort, biegen vor einem Sägewerk rechts ab auf einen asphaltierten Rad- und Fußweg, die ehemalige Trasse der »Marburger Kreisbahn«. Erbaut 1905 vornehmlich zur Schotterabfuhr von den Basaltbrüchen bei Dreihausen am Rand des Vogelsberges, endete der Reisezugverkehr 1956, der Güterverkehr 1972. Vorbei an der Steinmühle führt unser Weg zunächst fast eben. Ab Bortshausen geht es in leichter und stetiger Steigung aus dem Lahntal heraus. Nach 5,5 km werden wir auf die parallel verlaufende Landstraße verwiesen, queren einen Sattel, rollen 700 m leicht bergab und biegen dann scharf links ab auf einen anfangs asphaltierten Feldweg, der wieder ansteigt. Weit schweift der Blick südwärts bis zu den bewaldeten Ausläufern des Vogelsberges. Nordostwärts sehen wir in eine leicht hügelige, völlig waldfreie Ackerbaulandschaft. Im Osten ragt unvermittelt die Amöneburg auf. Wir befinden uns am Westrand des Amöneburger Beckens und seines Ausläufers, des Ebsdorfer Grundes. Wie schon erwähnt (Tour 1), entstand das Becken durch Schollenabsenkung. In dem relativ geschützten Becken lagerten während der Eiszeiten Winde in großem Umfang Löß ab, ein kalkreiches, durch Verwitterung unter kaltzeitlichen Bedingungen entstandenes, feinkörniges und fruchtbares Gestein. Damit erklärt sich die schon lange intensive landwirtschaftliche Nutzung des Amöneburger Beckens. Nach 2 km biegen wir auf einen vom Dorf Beltershausen kommenden Feldweg links ab, rollen vorbei an einem Wasserbehälter auf den Wald zu und gelangen auf einen unbefestigten Weg, der am Wald entlang führt. Auf ihm fahren wir rund um den rechts aufragenden Frauenberg. Nach 800m führt entlang einer großen Wiese rechts bergauf eine Fahrspur. Nun sehen wir auch schon das stattliche Gebäude der »Seebode«, einem zu Beginn des 20. Jahrhunderts entstandenem Ausflugslokal in historistischem Stil. Von der Gaststätte geht es auf einem Fußweg auf die Burgruine Frauenberg. Sie steht auf einem kleinen Basaltstiel. Von einer Aussichtsplattform bietet sich ein phantastischer Ausblick in alle Himmelsrichtungen. Errichtet wurde die Burg seit 1252 auf Anweisung der namengebenden (»Frauenberg«) Landgräfin Sophie von Brabant im Rahmen kriegerischen Auseinandersetzungen mit dem Erzbistum Mainz. Dieses verfügte seinerzeit über ausgedehnte Besitzungen nördlich und östlich von Marburg, darunter den größten Teil des Amöneburger Beckens einschließlich der Stadt Amöneburg. Die Mainzer Machtstellung in der Region wurde im Zuge der sog. Mainzer Stiftsfehde in den Jahren 1461 bis 1463/64 für immer gebrochen. Die militärische Rolle der Burg erübrigte sich damit, sie verfiel. 1687 wies der hessische Landgraf zwei Hugenottenfamilien, Reformierten aus Frankreich, ein Areal am Fuß der Ruine zur Ansiedlung zu. Diese hatten Frankreich verlassen da 1685 das Edikt von Nantes aus dem Jahre 1598, das ihnen religiöse Duldung gewährte, aufgehoben wurde und harte Verfolgungen einsetzten. Auch wurde die Verwendung von Steinen der Burg als Baumaterial gestattet. Der Weiler ist später geringfügig gewachsen. Seit 1939 wurde auf der gegenüberliegenden Straßenseite eine kleine Wohnsiedlung angelegt. Von der Burg zurück, setzen wir unseren Weg bergab fort auf der Landstraße nach Cappel. Dort kreuzen wir bei der Einmündung in die Umgehungsstraße diese, steigen eine kurze Treppe hinab und erreichen bald wieder die ehemalige Kreisbahntrasse. Wir biegen rechts ab, gelangen auf einen Radweg und fahren durch ein Industriegebiet (»Lintzingsweg«, »Im Rudert«) unter der »Südspange« hindurch zum Südbahnhof. Er wurde 1897 für die Bewohner der Dörfer südlich von Marburg und das entstehende Südviertel jenseits der Lahn angelegt. Von ihm ging die Kleinbahn, auf deren Trasse wir zeitweise fuhren, aus. Die Wohnbebauung um den Südbahnhof entstand größtenteils erst nach dem 2. Weltkrieg.

 

3. Weidenhäuser Brücke - Badesee Niederweimar - Argenstein - Roth - Niederwalgern - Gisselberg - Weidenhäuser Brücke

Strecke: 21 km

Die Route führt durchs Lahntal und ist fast völlig eben. Auf den ersten drei km entspricht unsere Tour der vorigen. Aber dann unterqueren wir nicht die Bundesstraße 3, sondern biegen, auf dem »Lahntalradweg« bleibend, rechts ab und über-queren die Lahn. Der »Lahntalradweg« führt uns, vorbei am Baggersee bei Niederweimar, einem beliebten Badeparadies, bis Argenstein, acht km vom Ausgangspunkt entfernt. Am Südrand folgen wir nicht sofort der Ausschilderung Richtung Gießen, sondern zunächst dem Hinweisschild »Wassermühle« und gelangen zur auf die Argensteiner Mühle, einer der wenigen der einst über hundert Wassermühlen im Kreis, deren Mahlwerk noch regelmäßig - zur Schrotherstellung - benutzt wird. Wir kehren zurück zur Wegegabelung, rollen südwärts auf dem »Lahntalradweg« zum Ortseingang von Roth. Der »Lahntalradweg« verläuft am Westrand des Dorfes. Wir biegen links ein in die »Dammstraße«, dem Schild »Landsynagoge« folgend. In der Ortsmitte schwenken wir links in die »Uferstraße und stehen bald vor der einzigen Synagoge im Kreisgebiet, welche die Judenpogrome des 3. Reiches überstanden hat und inzwischen wieder sakralen Zwecken dient. Sie entstand um 1840 als Nachfolger eines an anderer Stelle gelegenen Baues, den Feuer zerstört hatte. Wegen der Nähe der umliegenden Bebauung unterblieb bei den Pogromen 1938 eine Brandstiftung. Spä-ter gelangte das Ge-bäude in privaten Besitz und befindet sich seit 1995 in Kreiseigentum. Der Arbeitskreis Landsynagoge Roth e. V. (Tel. 06426/1237) hat inzwischen die Synagoge restauriert und sie zu einer Stätte kultureller Begegnungen entwickelt. Roth liegt auf einer Insel zwischen zwei Armen der Lahn. Jetzt führt der westliche Arm nur ausnahmsweise Wasser. Geblieben ist die Gefährdung des Ortes durch Hochwasser, weshalb er eine Umdeichung erhielt. Wenige Meter nach der Synagoge wird rechts abgebogen, wir gelangen wieder auf die Hauptstraße, biegen schwenken links in sie ein, verlassen sie jedoch nach ca. 200 m rechts (Straße »Im Wiesengrund«) und befinden uns auf einem Feldweg, der, den »Lahntal-radweg« kreuzend, nach Niederwalgern führt. Dort geht es, vorbei am »Naturwissenschaftl. Lern- und Experimentierfeld«, einem reizvoll gelegenen Spielplatz mit zahlreichen Geräten, die Erfahrungen mit naturwissenschaftlichen Prozessen vermitteln, zur Ortsmitte. Von hier lohnt ein kurzer Ausflug bergauf durch »Gladenbacher Straße« und »Kirchweg« zur einstigen Wehrkirche. Schiff und Chor stammen aus dem 12. Jhdt., deutlich jünger ist der in gotischem Stil gehaltene Turm. Wir kehren zu-rück zur Ortsmitte, auf die »Gießener Straße«, biegen in sie links ein und verlassen sie wenige Meter weiter nach rechts Richtung Bahnhof. Angelegt wurde er erst 1893, als die inzwischen (1995) stillgelegte Nebenbahn westwärts ins Salzbödetal ihren Betrieb aufnahm. Stets parallel zu den Gleisen fahrend, gelangen wir auf asphaltiertem Weg bis kurz vor Niederweimar. An einem ehemaligen Bahnwärterhaus werden wir nach links geführt zur Landstraße Niederwalgern - Niederweimar. Dieser Ort entstand um 1200 zum Schutz des Überganges einer Fernstraße von Frankfurt nach Norddeutschland über den Bach Allna. Die Straße verlief, da die Niederungen weitgehend vernässt waren, grundsätzlich auf den Höhen, verließ nördlich von Niederweimar das Lahntal und setzte sich fort auf dem Marburger Rücken (vgl. Tour 4). Die fast kreisförmige Wegeführung im bäuerlichen Kern Niederweimars spricht für planmäßige Anlage. Tafeln informieren über Geschichte und Funktion diverser Häuser, darunter über die kleine Kirche, einen im Kern romanischen, 1769 stark umgebauten Saalbau. Die »Marburger Straße« mündet in die »Herborner Straße«, zugleich B 255, in die wir rechts einbiegen. Bald beginnt ein Radweg entlang der Straße. Auf ihm bleiben wir bis zur »Krekelbrücke« über die Lahn beim Marburger Südbahnhof.

 

4. Weidenhäuser Brücke - Niederweimar - Haddamshausen - Dammühle - Wehrshausen - Marburg


Strecke: 20 km

Bis Niederweimar ist die Strecke eben, dann steigt sie anfangs geringfügig, später stärker bis zur Dammühle. Ein steiler Anstieg führt von Wehrshausen auf die Wehrshäuser Höhe, bevor es bergab nach Marburg geht. Die Route ist bis zur Bahnstation in Niederweimar identisch mit der von Tour 3. Dann verlassen wir den »Lahntalradweg«, überqueren die Eisenbahn und biegen in Niederweimar links ein auf die »Herborner Straße«, von der wir 200 m weiter bei einer Ampelanlage nach rechts abschwenken (zu Niederweimar vgl. Tour 3). Wir schlagen den »Haddamshäuser Weg« ein. Durch Haddamshausen geht es bis zum Ortseingang von Hermershausen. Hier ist rechts abzubiegen ins Tal des »Elnhäuser Wassers«. 2 km weiter folgen wir der Ausschilderung nach links Richtung Elnhausen, bleiben aber nur 800 m auf der Straße. Rechts öffnet sich ein schmales Wiesental, in das wir einbiegen. Nach 1000 m gelangen wir in Wald. Tafeln informieren über die reiche Tier- und Pflanzenwelt in dem feuchten Bachgrund rechts von uns (»Naturinformationspfad Dammühle«). 700 m weiter öffnet sich der Wald. Vor uns liegt die Dammühle, deren Existenz bis zurück zum Jahre 1521 überliefert ist. Schwierigkeiten beim Mühlenbetrieb wegen unzuverlässiger Wasserführung verursachten schon im späten 19. Jahrhundert die Entwicklung zur Ausflugsgaststätte. Jedoch blieb das Mühlenmilieu auch nach der Aufgabe des Mahlbetriebes um 1950 gewahrt. 200 m weiter erreichen wir in einer scharfen Kurve die Straße von den Neuhöfen nach Wehrshausen. Mediterrane Assoziationen erweckt die Lage des Dorfes an steilem, nach Südwesten exponiertem Hang. Der Übergang zur wenig geneigten Talniederung markiert zu-gleich eine wichtige geologische Grenze. Oberhalb von ihr bilden die abtragungsresistenten Sandsteine aus der Epoche des Buntsandsteins (so benannt wegen der durch Eisenanteile verursachten roten Färbung) den Hang. Darunter stehen die weicheren, älteren Ablagerungen der Zechsteinepoche an. Sie unterliegen leichter der Abtragung und fallen, wie der Buntsandstein ostwärts leicht ab mit ca. 2-3% Neigung. Es handelt sich bei der Geländestufe um eine »Schichtstufe«. Nach 300 m wird die Straße hinter einer Linkskurve nach rechts verlassen. Wir überqueren den Bach, biegen links auf einen Feldweg ein, der in die Straße »Zum Pfaffengrund« übergeht. Am Ende ist rechts abzubiegen in den »Hirtzborn«, den wir aber nach wenigen Metern, nun steil bergauf schiebend, verlassen. Durch den »Kirchgraben« gehen wir direkt auf die Kirche zu, ein kunsthistorisches Kleinod. Gestiftet wurde an dieser Stelle 1339 eine der Jungfrau Marie geweihte Kapelle. Vom ältesten Bau blieben große Teile des Mauerwerkes sowie das vermauerte Nordportal erhalten, ansonsten erhielt die Kirche um 1475 weit-gehend ihre heute anzutreffende Gestalt. Reich ist die spätgotische Ausstattung. Vorbei an reizvollen Hofgärten kommen wir auf die »Wehrshäuser Straße«, die in gewundenem Verlauf steil aufwärts auf den Marburger Rücken führt. Die noch steilere Straße »Zur Kalkkaute« ermöglicht die Abkürzung einer langen Kurve. Auf der Hochfläche des Marburger Rückens mündet von links eine Straße von Michelbach ein. An der Einmündung schlagen wir den nochmals ansteigenden Feldweg nach rechts ein. 200 m weiter befindet sich links die 349 m hohe Wehrshäuser Höhe mit einem Wasserbehälter. Ein prächtiger Ausblick eröffnet sich: Westwärts das kuppenreiche rheinische Schiefergebirge, ostwärts die südlichen Teile von Marburg. Ca. 300 m bleiben wir auf dem Feldweg, einst Teil der in Tour 3 vorgestellten Fernstraße von Frankfurt - Norddeutschland. Der für den Abschnitt übliche Name »Weinstraße« leitet sich ab von »Wagenstraße«. Links abbiegend rollen wir entlang eines rechts abfallenden Hanges herab bis zum »Oberen Rotenberg«. Er trägt seinen Namen nach dem am Hang zu Tage tretenden stark rotgefärbten Sandsteinen. An der Einmündung in den »Oberen Rotenberg« wird jedoch noch einmal halbrechts auf einen Feldweg eingebogen. Er verläuft rechts des Marburger Friedhofs und stößt auf die Straße »Hohe Leuchte«. In sie biegen wir links ein, erreichen nach 300 m den »Rotenberg« und schwenken rechts in ihn ein. Es geht steil bergab bis zum »Barfüßertor«. In dieses links einbiegend, kommen wir nach 800 m zum historischen Herz Marburgs, dem Marktplatz, wenn wir es nicht vorziehen, durch den Straßenzug »Am Plan«, »Untergasse« zur Weidenhäuser Brücke zurückzukehren.